Zwiespalt Kastration

Heute meine Gedanken zu einem Thema, das mich beschäftigt, seitdem Lotte bei mir eingezogen ist.

Denn als ich sie übernommen habe, steckte sie gerade mitten im Beginn ihrer ersten Läufigkeit.
Wie stressig das wirklich sein kann, habe ich dann gleich erfahren dürfen.
In einem Hunde-Ballungsgebiet mit einer Überzahl an intakten Rüden kann man sich dies wie beim Rattenfänger von Hameln vorstellen. Bloß, dass es sich nicht um Ratten handelt sondern um liebestolle Rüden, die beim Duft einer läufigen Dame alles um sich herum vergessen.
Natürlich war das ganze insofern gut, dass ich unmittelbar diese Erfahrung machen konnte. Eine Erfahrung, die früher oder später jedem Hündinnenbesitzer zu gute kommt, der sein Tier nicht aus einem Heim hat.

Richtig, Lotte kommt aus dem Tierschutz. Aber sie ist ja noch sehr jung und im mallorcinischen Tierheim wurde weder eine Kastration noch ein Leishmaniose-Test vorgenommen.
Über ersteres bin ich sehr froh, denn mit ein bisschen Recherche findet man schnell heraus, dass eine Kastration während der „Pubertät“ und vor der ersten Läufigkeit ganz und gar nicht das Gelbe vom Ei ist.

Auf jeden Fall kastrieren! – Dachte ich.
Als ich Lotte bekam, machte ich etwa eine Woche später einen Termin beim TA. In vier Wochen sollte sie kastriert werden, klarer Fall.
Denn bei mir überwiegte einfach die Panik, sie könnte doch irgendwie von einem Rüden „beglückt“ werden – und eine Option, auf ein Häuflein Welpen und ein Muttertier aufzupassen, habe ich absolut nicht.

Dann jedoch klärte mich meine Hundetrainerin über einige Fakten auf und brachte meinen Entschluss ins Wanken.
Ja, die Kastration einer Hündin ist eine große OP.
Aber welche anderen Nachteile sie birgt, kam mir anfänglich gar nicht in den Sinn.

Hormonelles Ungleichgewicht und Erkrankungen
Dabei ist ja vieles offensichtlich.
Zum Beispiel, dass der natürliche Hormonhaushalt des Hundes durcheinander gerät und dies sowohl die Streßverträglichkeit als auch das Sozialverhalten bei anderen Hunden negativ beeinträchtigen kann.
Lotte ist eine sehr entspannte und überhaupt nicht ängstliche Hündin.
Stress wie Autofahren bewältigt sie sehr gut, anpassungsfähig wie sie ist, gewöhnt sie sich schnell an unangenehmere Umstände wie beispielsweise Bus-oder Bahnfahrten.
Weitere Nachteile der Kastration sind spätere Inkontinenz oder mögliche Erkrankungen des Skeletts – besonders, wenn der Hund sich noch im Wachstum befindet.

Diese Informationen sind schnell herauszufinden und machen die Entscheidung für mich durchaus einfacher.

Prophylaxe?
Ich lese ja oft, dass die Kastration Gebärmutterentzündungen und Mammatumoren vorbeugen soll.
Ist das wirklich ein Argument?
Für mich nicht.
Mal ehrlich, würde ich mir die Brüste amputieren lassen, damit ich ausschließen kann, jemals Brustkrebs zu bekommen?
Oder die Gebärmutter entnehmen, damit sie sich ja niemals entzündet?
Natürlich würde das kein Mensch machen, ich auch nicht.
Und kein Arzt würde so etwas vornehmen, lediglich um irgendetwas vorzubeugen, wenn noch nie eine Krankheit bestand.
Warum also sollte ich dies bei meinem Hund tun?
Ja, Lotte KÖNNTE einmal Gesäugekrebs bekommen.
Sie könnte aber auch Lungenkrebs oder andere Tumore kriegen, ja, vielleicht wird sie auch bis zu ihrem Todestag von Krebs verschont bleiben. Dies bleibt natürlich zu hoffen.
Aber wenn man einmal nachdenkt, dann ist das Krebsrisiko bei Hunden nicht viel anders als beim Menschen.
Ich sehe es von daher wirklich nicht gegeben, zur Prophylaxe irgendwelche wichtigen Organe aus meiner Hündin herausräumen zu lassen.

Von somanchen habe ich gehört, dass die Kastration mehr Vorteile als Nachteile erbringt.
Ob das stimmt, wird wohl die Zeit zeigen müssen.
Wenn es lediglich dabei bleibt, drei Wochen lang an der Leine liebestolle Rüden verscheuchen zu müssen, werde ich wohl keine Kastration in Betracht ziehen.
Sollte es allerdings doch größere Schwierigkeiten geben, muss ich meinen Entschluss vielleicht überdenken – jedoch keinesfalls unter einem Alter von 2 Jahren.

Mein persönliches Fazit
Ich bin heilfroh, dass ich den Termin zur Kastration ersteinmal nicht wahrgenommen habe.

In Lottes momentanem Lebensabschnitt wäre diese Entscheidung definitiv die falsche gewesen.
Am liebsten hätte ich gerne eine „normale“ Hündin in ihrem natürlichen Zustand, mit einem geregelten Hormonhaushalt und allen Organen. Das bedeutet, dass ich eher gegen eine Kastration ohne medizinische Indikation bin.

Dennoch möchte ich natürlich abschließend sagen, dass ich absolut niemanden dafür verurteilen würde, der sein Tier kastrieren lässt, ganz gleich ob männlich oder weiblich.

Ebenso, dass ich natürlich auch für Input und Meinungen jeder Art offen bin, denn es gibt noch viel zu lernen 😉

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2 Gedanken zu “Zwiespalt Kastration

  1. Anna Tefka schreibt:

    Bei mir lief es genauso ab. Erst war es für mich glasklar, dass meine Hündin kastriert wird. Ich kannte es von den Pflegehunden einfach nur so. Dann war sie hier und wurde zum ersten Mal läufig. Ich sprach mit vielen Freunden, las mich in die Thematik ein und unterhielt mich mit zwei Tierärzten. Letztendlich ist Summer noch immer unkastriert. Solange ihr die Läufigkeiten keine großen Probleme bereiten oder andere gesundheitliche Aspekte dazukommen soll das auch so bleiben. Die paar Stehtage bekomme ich ohne Probleme um und der Hund ist um eine Operation herum gekommen und lebt etwas natürlicher weiter.

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  2. hawksforest schreibt:

    Ich würde nie eine gesunde Hündin kastrieren lassen, nur damit ich das „Problem“ Läufigkeit damit aus der Welt schaffe, bzw. weil ich das „lästige“ Bluten damit unterbinde. Das sind die Argumente, die mir meistens von Welpenkäufern entgegengebracht werden, wenn sie mir ihre Entscheidung mitteilen, ihre junge Hündin so bald wie möglich kastrieren lassen zu wollen. Meine Meinung ist, dass man die dreiwöchige Läufigkeit mit etwas Disziplin und Organisation gut rum kriegt; und die „gefährlichen“ Tage beginnen sowieso erst im zweiten Drittel der Hitze. Ich lasse meine läufige Hündin dann eben nicht mehr aus den Augen und wähle andere Spazierwege.
    Da ich Züchterin bin, lebe ich mit mehreren Hunden zusammen, unkastrierten Hündinnen und Rüden, sowie einer jetzt kastrierten Hündin. Ich habe eine elfjährige und eine dreijährige unkastrierte Hündin zu Hause sowie eine achtjährige kastrierte Hündin. Diese Hündin habe ich auch nur kastrieren lassen, weil sie vor, während und bis kurz nach der Läufigkeit immer Probleme mit den anderen Hunden hatte.
    Nun ist sie kastriert, nun spielt das keine Rolle mehr.

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